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Bekannt beim Kunden, unsichtbar für Top-Kandidaten

Wer einen CFO für einen mittelständischen Weltmarktführer sucht, scheitert nicht an fehlender Qualität – sondern daran, dass die besten Kandidaten nie erfahren, dass es diese Rolle gibt.

Tobias Jaeger · Partner · Head of CFO Practice4 Min. LesezeitFachbeitrag

Ein Maschinenbauer in einer süddeutschen Kleinstadt, Marktführer in einer Nische, die außerhalb der eigenen Branche niemand benennen kann, seit Generationen in Familienhand: Diese Konstellation gibt es in Deutschland hundertfach. Jeder Einkaufsleiter des Sektors kennt solche Unternehmen. Kein einziger CFO-Kandidat in Frankfurt, München oder Zürich hat je von ihnen gehört.

Das ist kein Imageproblem. Es ist ein Verteilungsproblem.

Bekannt ist nicht dasselbe wie sichtbar

Hidden Champions sind in ihrem Markt präsent, manchmal dominant. In den Netzwerken, in denen Finanzleute über Arbeitgeber sprechen, tauchen sie nicht auf. Keine Transaktion, über die Bloomberg oder das Handelsblatt berichten. Kein DAX-Konzern, der als Referenz dient. Kein CFO, der auf Panels sitzt und den Namen des Unternehmens in die Welt trägt.

Der Effekt: Ein A-Kandidat lehnt diese Unternehmen nicht ab. Er begegnet ihnen schlicht nicht. Die Hürde liegt vor dem ersten Kontakt.

Eine Stellenanzeige ändert daran wenig. Sie erreicht die, die aktiv suchen. Wer aktiv sucht, sucht aus einem Grund – meistens einem, der für das Unternehmen kein gutes Zeichen ist. Die wirklich interessanten Kandidaten lesen Anzeigen nicht als persönliche Einladung, sondern als Signal, dass man nicht weiß, wen man sucht.

Warum gute CFOs sich nicht bewerben

Wer heute eine gute CFO-Position hat, ist nicht unglücklich. Er trägt seinen Lebenslauf nicht in Portale ein, er pflegt keine aktive Marktpräsenz als Jobsuchender, und er sieht einen Wechsel als Risiko. Für ihn muss ein Angebot besser sein als der Status quo, und das deutlich.

Das bedeutet: Er bewegt sich nur, wenn jemand kommt. Persönlich, vertraulich, mit einem konkreten Argument, warum gerade diese Rolle gerade ihn betrifft. Eine Anzeige kann das nie leisten, weil sie an alle gerichtet ist. Direktansprache wirkt, weil sie an einen gerichtet ist.

Der Unterschied ist nicht rhetorisch. Er ist strukturell. Wer einen Kandidaten kalt anspricht und ihm eine Rollenbeschreibung schickt, hat noch keine Ansprache gemacht. Er hat eine Anzeige versandt. Echte Direktansprache beginnt damit, dass man den Kandidaten kennt, seine aktuelle Situation einschätzt und die Rolle so formuliert, dass der Zusammenhang evident wird.

Die Rolle wie ein Angebot konstruieren

Ein CFO auf Wechselkurs kauft keine Stellenbeschreibung. Er kauft vier Dinge: Autonomie bei Entscheidungen, die zählen. Kurze Wege zum Eigentümer. Sichtbare Wirkung auf ein reales Geschäft. Und eine Geschichte, die er in fünf Jahren erzählen kann.

Diese vier Argumente müssen vor der Ansprache stehen, ausformuliert und belastbar. Nicht als Marketingtext, sondern als ehrliche Antwort auf die Fragen, die ein erfahrener Finanzchef stellt: Wie sind die letzten drei Investitionsentscheidungen gefallen? Wer entscheidet was, und in welchem Zeitrahmen? Warum ist die Position frei?

Der Mittelstand hat hier einen echten Vorteil gegenüber dem Konzern, er nutzt ihn nur selten. In einem eigentümergeführten Unternehmen sitzt der Entscheider am Tisch, nicht in einem Governance-Gremium mit Quartalsrhythmus. Ein CFO kann dort Dinge bewegen, die in einer Konzernstruktur zehn Jahre dauern würden. Das ist kein Trostpreis. Für den richtigen Kandidaten ist es das Hauptargument.

Employer Branding für dreißig Personen

Ein Mittelständler braucht keine Arbeitgebermarke für den Gesamtmarkt. Er braucht ein glaubwürdiges Bild bei vielleicht dreißig relevanten Personen. Das ist machbar, ohne Kampagnen, ohne Agentur, ohne LinkedIn-Strategie.

Der Inhaber, der selbst erklärt, was er sucht und warum. Eine Rollenbeschreibung, die antwortet statt beschreibt. Belastbare Antworten auf die harten Fragen. Das reicht, wenn es an die Richtigen geht.

Breit und laut ist hier nicht nur teuer. Es ist kontraproduktiv. Wer eine CFO-Vakanz öffentlich macht, löst Fragen aus, die er nicht beantworten will: bei Kunden, bei Banken, bei Mitarbeitern. Diskretion ist keine Einschränkung, sie ist die Voraussetzung dafür, dass die interessantesten Kandidaten überhaupt ins Gespräch kommen. Ein A-Kandidat in einer guten Position spricht nur dann über einen Wechsel, wenn er sicher sein kann, dass sein Arbeitgeber nichts erfährt.

Beide Seiten wollen dasselbe: das Gespräch führen, ohne Konsequenzen zu riskieren. Ein vertraulicher Suchprozess schützt beide.

Wer sucht, muss wissen, wen

Das eigentliche Problem ist nicht die fehlende Sichtbarkeit. Es ist die fehlende Präzision. Viele Mittelständler wissen, was ein CFO tun soll. Wenige haben vor der Suche durchdacht, wer diese Rolle trägt und warum. Die Spezifikation bleibt generisch, die Ansprache bleibt generisch, und die Kandidaten, die antworten, sind diejenigen, die auf generische Ansprachen antworten.

Der Weg zu einem A-Kandidaten beginnt mit einer ehrlichen Antwort auf die Frage, was diese Rolle von anderen unterscheidet. Nicht im Sinne des Unternehmens, sondern im Sinne des Kandidaten. Was gewinnt er? Was gibt er auf? Was muss stimmen, damit er in zwei Jahren sagt, der Wechsel war richtig?

Sichtbarkeit für eine einzige Schlüsselposition ist kein Marketingprojekt. Es ist eine Frage der Präzision: Die richtige Rolle, an die richtigen dreißig Personen, durch jemanden, dem sie vertrauen. Mehr Reichweite löst das nicht.

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