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CFO-Besetzung: Was nach der Kandidatenliste entscheidet

Auswahl, Vergütung und Übergabe sind die drei Phasen, in denen Mittelständler ihre besten Kandidaten verlieren oder binden.

Tobias Jaeger · Partner · Head of CFO Practice5 Min. LesezeitFachbeitrag

Der Lebenslauf war überzeugend. Die Gespräche liefen gut. Und dann zieht der Kandidat zurück, weil die Frage nach der Beteiligung drei Wochen zu spät gestellt wurde. Oder er fängt an, und nach sechs Monaten hat das Team noch nicht verstanden, wer ab wann entscheidet. In beiden Fällen war der eigentliche Fehler kein Besetzungsfehler. Er entstand danach.

Dieser Artikel behandelt den Teil des CFO-Prozesses, über den am wenigsten geschrieben wird: Auswahl, Vergütungsverhandlung und die ersten hundert Tage. Für Inhaber, die selbst am Tisch sitzen, wenn es entschieden wird.

Auswahl: Was der Lebenslauf nicht zeigt

Ein Lebenslauf zeigt, wo jemand war. Er zeigt nicht, wie er sich verhalten hat, als die Zahlen schlechter wurden als geplant, als ein Gesellschafter eine Entscheidung durchdrücken wollte, die er für falsch hielt, oder als die Bank um Unterlagen bat, die er nicht liefern konnte.

Genau diese Situationen entscheiden, ob ein CFO im Mittelstand funktioniert. Wer sie nicht strukturiert prüft, prüft sie gar nicht.

Zwei Dinge müssen im Auswahlprozess methodisch abgesichert werden: fachliche Tiefe und die Chemie mit Inhaber und Beirat. Chemie ist der Erfolgsfaktor, der am häufigsten unterschätzt wird, weil er sich dem Bauchgefühl zugänglich anfühlt. Er ist es nicht. Ein Gespräch ohne den Inhaber, nur mit dem Beirat, liefert anderen Input als eines mit beiden. Derselbe Kandidat, dieselbe Situation, zwei Gesprächskonstellationen: Das Bild wird schärfer.

Fallarbeit am echten Zahlenwerk statt an einem konstruierten Planfall zeigt, wie jemand mit unvollständigen Daten umgeht. Und die bewusste Frage, wie der Kandidat formuliert, wenn er dem Gesellschafter widerspricht, ist keine rhetorische Übung. Sie ist ein Funktionstest.

Fachliche Tiefe prüft man nicht mit der Frage, ob jemand etwas gemacht hat. Man fragt nach dem Wie. Wie wurde die Finanzierungsstruktur verhandelt? Wie war das Verhältnis zur Hausbank aufgestellt, als ein Covenant gerissen ist? Welche Entscheidung hätten Sie rückblickend anders getroffen?

Wer auf diese Fragen pauschale Antworten gibt, hat entweder keine eigene Erfahrung mit der Situation oder keine Bereitschaft, darüber zu sprechen. Beides ist Information.

Vergütung: Die Übersetzungsaufgabe

Im Mittelstand ist Vergütung in Teilen anders strukturiert als im Konzern. Fixgehalt und Bonus bilden den Kern, die Bonusformeln sind weniger formalisiert, und echte Gesellschaftsanteile bleiben in eigentümergeführten Familienunternehmen die Ausnahme. Das ist kein Nachteil des Mittelstands. Es ist eine Realität, die früh angesprochen werden muss.

Besonders bei Kandidaten aus dem Scale-up-Umfeld oder aus größeren Konzernen entstehen Erwartungen an eine Eigenkapitalbeteiligung, die nicht 1:1 übersetzbar sind. Wer diese Erwartung nicht adressiert, bis alle anderen Punkte geklärt sind, verliert den Kandidaten genau dann, wenn er ihn eigentlich schon gewonnen hat.

Die Übersetzung funktioniert. Sie erfordert Kreativität und Klarheit: virtuelle Beteiligungen, mehrjährige Bonusmodelle mit kumulierter Bemessung, Transaktionsboni für den Fall eines Verkaufs, oder eine Beteiligung am gemessenen Unternehmenswertzuwachs. Welches Instrument passt, hängt vom Unternehmen, von der Eigentümerstruktur und vom Kandidaten ab. Was nicht passt, ist die Vertröstung auf später.

Vergütungsbenchmarks beantworten dabei die einfachere Hälfte der Frage. Die schwierigere ist die Logik des Pakets: Was genau soll es belohnen? Wertsteigerung, Stabilität, Wachstum oder eine Kombination daraus? Wer darauf keine Antwort hat, verhandelt über Zahlen ohne Zweck.

Referenzen: Die drei Fragen, die wirklich etwas zeigen

Die Liste, die ein Kandidat mitbringt, ist selten die nützlichste. Die Fragen, die man stellt, entscheiden über den Wert jedes Referenzgesprächs.

Für eine CFO-Rolle im Mittelstand sind drei Fragen besonders informativ. Erstens: Wie hat er sich verhalten, als die Zahlen schlechter waren als erwartet? Zweitens: Wem gegenüber hat er widersprochen, und wie hat er es formuliert? Und drittens: Würden Sie ihn wieder einstellen, und in welcher Rolle ausdrücklich nicht?

Die letzte Frage gibt meistens mehr her als alle anderen zusammen. Wer zögert, bevor er antwortet, liefert bereits Information.

Ergänzend lohnt sich immer ein Gespräch mit jemandem aus dem beruflichen Umfeld des Kandidaten, der nicht auf der Liste stand: ein ehemaliger Kollege, ein Banker, der mit ihm zusammengearbeitet hat. Gerade die Bankbeziehung ist im Mittelstand ein guter Indikator. Wie ist jemand mit Kreditgebern umgegangen, wenn es eng wurde? Hat er die Kommunikation gesucht oder verzögert?

Die ersten hundert Tage: Drei Übergaben

Das Onboarding eines CFO entscheidet sich an drei konkreten Punkten: Bankbeziehungen, Team und Reporting.

Bankbeziehungen sind personengebunden. Sie vererben sich nicht automatisch auf den Nachfolger. Der Übergabeprozess muss aktiv gestaltet werden, mit gemeinsamen Terminen bei den Kernbanken, bevor der Vorgänger das Unternehmen verlässt. Wer das dem Zufall überlässt, riskiert, dass der neue CFO in einem schwierigen Quartal zum ersten Mal erklären muss, wer er ist.

Das Team braucht Klarheit darüber, wer ab wann entscheidet. In einer Nachfolgesituation ist die Loyalitätsfrage oft noch offen, besonders wenn der Vorgänger noch erreichbar ist. Die Antwort auf diese Unklarheit ist keine Machtgeste, sondern eine klare Rollenvereinbarung: Der Nachfolger entscheidet, der Vorgänger erklärt. Diese Vereinbarung muss vor dem ersten Tag getroffen werden, nicht danach.

Das Reporting darf in den ersten hundert Tagen nicht umgebaut werden. Kein neues Format, keine neue Logik, keine veränderte Granularität. Wer gleichzeitig den Menschen und die Zahlenbasis wechselt, verliert die Steuerungsfähigkeit für mindestens ein Quartal. Das ist kein theoretisches Risiko.

Was ein verschleppter Prozess wirklich kostet

Die Kosten eines abgebrochenen oder zu langsam geführten CFO-Prozesses stehen in keiner GuV. Sie entstehen trotzdem.

Ein Unternehmen ohne Finanzsteuerung über mehrere Monate trifft Entscheidungen auf einer Zahlenbasis, die niemand verantwortet. Banken registrieren Führungsvakanz schneller als viele Inhaber. Und ein Kandidat, der drei Wochen auf eine Rückmeldung wartet, befindet sich in dieser Zeit in anderen Gesprächen.

Der Mechanismus ist bekannt und wird trotzdem regelmäßig unterschätzt: A-Kandidaten sind nie exklusiv verfügbar. Die Qualität des Prozesses signalisiert dem Kandidaten, wie das Unternehmen geführt wird. Wer intern nicht entscheidungsfähig ist, teilt das mit, bevor er es ausspricht.

Drei Maßnahmen verhindern den häufigsten Verlust: getaktete Prozessschritte mit verbindlichen Terminen, Entscheider, die von Beginn an verfügbar sind und nicht nachträglich eingeholt werden müssen, und eine ehrliche Kommunikation gegenüber dem Kandidaten, wenn sich etwas verzögert.

Die operative Empfehlung für Inhaber, die einen CFO-Prozess verantworten: Definieren Sie vor dem ersten Gespräch mit einem Kandidaten drei Dinge schriftlich. Welche Entscheidungssituationen prüfen Sie strukturiert? Wie übersetzen Sie die Beteiligungserwartung in Ihr Modell? Und wer ist am ersten Tag des neuen CFO verantwortlich dafür, dass Banktermine vereinbart, Rollenklarheit hergestellt und das Reporting stabil gehalten wird? Wer diese drei Fragen vor dem Prozess beantwortet hat, macht danach weniger Fehler.

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